Wirtschaftlichkeit

Jeder Landwirt kennt für den Anbau von Weizen die damit verbundenen Kosten und kann bei 70 dt Weizenertrag sofort überschlägig seinen aktuellen Deckungsbeitrag kalkulieren. Doch sind die Erträge eines Energiewaldes konkurrenzfähig zum Marktfruchtanbau?

Es liegt auf der Hand, daß sich der Anbau eines Energiewaldes immer lohnt, wenn das Holz in der eigenen oder kommunalen Hackschnitzelheizung genutzt wird, also direkt Öl oder Gas ersetzt. Denn mit 20 Cent liegen die Vollkosten für die mit einem Liter Heizöl vergleichbare Energiemenge weit unter den heutigen Marktpreisen. Zudem können mit der Anlage von einem Hektar Energiewald 4.000 - 7.000 Liter Heizöl pro Jahr ersetzt werden.

Ist die Wirtschaftlicheit aber auch gegeben, wenn anstatt landwirtschaftlicher Produkte Hackschnitzel für den Markt produziert werden? Eine kürzlich durchgeführte, immer noch sehr konservative Studie kam dabei zu folgendem Ergebnis: Kurzumtriebsplantagen sind in der Mehrzahl der Fälle wirtschaftlich konkurrenzfähig mit landwirtschafltichen Fruchtfolgen. (Quelle: Wagner, Kröber, Hank - Universität Halle-Wittenberg)

Der Energiewald ist dabei unseres Erachtens nicht nur auf hoffernen oder Grenzertragsflächen im Vorteil. Denn es gibt quasi für jeden Standort den richtigen Baum, die richtige Umtriebszeit, Produktionsform und ein vorteilhaftes Absatzkonzept.

Doch wie hoch sind die Kosten des Feldholzanbaus? Und mit welchen Erträgen und Mengen kann man rechnen? Was bedeutet dies in Schüttraummeter oder t atro? Und was ist ein realistischer Deckungsbeitrag? Dazu nachfolgend mehr:

Deckungsbeitrag Energiewald
Holz: Preise und Nachfrage
Heizwerte verschiedener Baumarten

Deckungsbeitrag Energiewald

Alleine die Investitionskosten variieren um über 50 Prozent, je nachdem welches Produktionsziel verfolgt, welche Umtriebszeit gewählt und welcher Baum gepflanzt wird. Allerdings können sich mit Blick auf den Deckungsbeitrag auch höhere Investitionskosten lohnen, da die Erntetechnik und -kosten und die Hackschnitzelqualität (Verkaufspreis) einen weit höheren Einfluss auf den Deckungsbeitrag haben als die anfänglichen Anlagekosten.

KENNZAHLEN DECKUNGSBEITRAG ENERGIEWALD (Basis: LEL KUP-Rechner und Wald21-Daten):

Investitionskosten / ha (Anbau inkl. Pflege): 1.200 EUR bis 2.750 EUR
Kostenanteil Ernte & Logistik: mindestens 60 % an Vollkosten (vor Pacht)
Durchschnittlicher Ertrag: 8 - 12 t atro / ha und Jahr (~ 52 - 78 m3)
Beispiel Ernte nach 4 Jahren: 32 - 48 t atro
Vollkosten t atro: >  60 EUR / t atro
Deckungsbeitrag (mittlerer Standort): 500 EUR bis 750 EUR pro Jahr

Deckungsbeitragsrechnung als Download

Wenn Sie Ihren Deckungsbeitrag selbst berechnen wollen, empfehlen wir den KUP-Rechner der Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume Baden-Würtemberg (LEL) - hier als Download.

kup-rechner

Hinweis: Die Inflationserwartung spielt für kalkulatorische Deckungsbeiträge eine entscheidende Rolle. 

Sie wollen Ihren Deckungsbeitrag errechnen? Wir helfen Ihnen gerne beim Definieren realistischer Daten!

Holz: Preise und Nachfrage

Mit Anstieg der Energiepreise und dem verstärkten Einsatz von Holz zur energetischen Nutzung (Wärme & Strom) steigt seit Jahren nicht nur die Nachfrage nach Holz, sondern auch der Preis. Und während Holz niedriger Qualität vor einigen Jahren noch im Wald verblieb oder für die Entsorgung viel Geld bezahlt werden musste, sind heute alle Energieholzsortimente ein gefragtes Gut (Waldrestholz, Rinde, Derbholz, Sägespäne, Pellets etc.).

Wer von Klimaschutz und der Endlichkeit von Öl und Gas ist überzeugt ist, wird sich kaum vorstellen können, daß dieser Trend morgen vorbei ist - und kann mit Kurzumtriebsplantagen von dieser Entwicklung langfristig profitieren. Das deutsche Biomasseforschungszentrum in Leipzig rechnet für 2020 bereits mit einer Holzunterdeckung von bis zu 40 Mio. Festmeter pro Jahr, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Dennoch liegt der Marktpreis für Holzhackschnitzel noch immer unter 0,30 EUR, wenn man den energetischen Wert mit einem Liter Heizöl vergleicht. Da bleibt viel Spielraum nach oben, wie wir meinen!

 

CARMEN Holzpreise 2015

Offizielle Daten zur Preisentwicklung von 2000 bis Ende 2015 gemäß dem Statistischen Bundesamt (Fachserie 17 Reihe 2):

  Gewerbliche Preise Erdöl und Erdgas Holzhackschnitzel
01/2000 bis 12/2015 + 23,97 % + 125,05 % + 75,64 %
Anstieg + 1,6 % p.a. + 8,34 % p.a. + 5,0 % p.a.

Heizwert verschiedener Baumarten (t atro / SRM / kWh)

Für die im Energiewald angepflanzten Pappel- und Weidensorten im Kurzumtrieb werden in Studien folgende Werte errechnet:

  • 1 t atro (TM) = 5 bis 5,2 kWh / kg oder 5 bis 5,2 MWh pro t atro (vor Abzug von Kondensationsverlusten für die Verdampfung des Wassers im Holz)
  • entspricht 6,5 bis 7 SRM
  • Wassergehalt bei frischem Holz: meist ca. 52-58 %

Allgemein gilt: Wird Holz nach Gewicht abgerechnet, gibt es weder beim Brennwert noch beim Heizwert große Unterschiede zwischen den Baumarten. So hat  bei gleichem Wassergehalt 1 kg Holz aus Pappel oder Weide einen sehr ähnlichen Energiegehalt wie Buche oder Fichte.  

Die nachfolgende Tabelle zeigt den Heizwert pro kg oder Schüttraummeter bei unterschiedlichen Baumarten und Wassergehalt (z.B.: 1 kg Pappel- / Buchenholz hat bei 20 % Wassergehalt einen Heizwert von 3,86 kWh):

Heizwert in KWh
Baumart /
Dichte
Bezugsgröße Wassergehalt in %
0 15 20 30 50
Buche kg 5,00 4,15 3,86 3,30 2,16
558 kg TM / fm SRM 1116 1089 1078 1051 964
Fichte kg 5,20 4,32 4,02 3,44 2,26
379 kg TM/ fm SRM 788 770 763 744 685
Kiefer kg 5,20 4,32 4,02 3,44 2,26
431 kg TM / fm SRM 896 876 867 846 779
Pappel kg 5,00 4,15 3,86 3,30 2,16
353 kg TM / fm SRM 706 689 682 665 610

(Quelle LWF Merkblatt 12)

Unterschiede ergeben sich aber in der Dichte – also dem spezifischen Gewicht pro Festmeter oder Schüttraummeter (SRM). So hat ein SRM Buche fast 50 % mehr Gewicht = Energie als das Holz der Fichte!

Weiteres Qualitätsmerkmal im Hinblick auf den Heizwert ist der Wassergehalt. Wird Brennholz nach Gewicht abgerechnet, ist der Wassergehalt von großer Bedeutung. Denn ein Wassergehalt von 50 % bedeutet, dass bei 1 t frischem Holz tatsächlich 500 kg Wasser mitgeliefert werden. Folgende Begriffe zum Wassergehalt sind hier geläufig:

Absolut trockenes Holz ( atro): w (Wassergehalt) = 0 %
Lufttrockenes Holz (lutro): w = 15%-20%
Lagerfähig: w < 30-35%
Frisch geschlagenes Holz: w > 50%

Zudem gilt: Wasser brennt nicht! Bei der Bestimmung des tatsächlichen Heizwertes und der Verbrennung von Holz muss zunächst das im Holz enthaltene Wasser verdampft werden. Dazu werden 0,68 kWh je kg Wasser benötigt. Zieht man die zur Verdampfung des Wassers benötigte Energie von der in der verbleibenden Trockenmasse enthaltene Energie ab, erhält man den Heizwert. Wenn man frisches Holz mit 50% Wassergehalt verbrennt, benötigt man damit 0,68 kWh / 5,2 kWh = 13 % der im Holz eigentlich enthaltenen Energie. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Fazit: Wer Holz kauft, sollte - wenn nach Gewicht abgerechnet wird - den Wassergehalt in Prozent  kennen. Erfolgt die Abrechnung nach Volumen (SRM oder FM), ist der Heizwert der Baumart pro SRM wichtig (sprich das spezifische Gewicht bzw. Dichte).

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